Lüchow

Trauerfall

Modernes Bestattungshaus in Bau

Neue Feierhalle für bis zu 100 Personen und Kurzzeit-Kolumbarium für Urnen

Am Berthold-Roggan-Ring in Lüchow gegenüber dem Friedhof, dort wo einst die Firma Schütte Steine produzierte, sind derzeit Radlager und Bagger bei der Arbeit zu sehen. Denn: Die Firma Schmidt-Maury – Bestattungen Elbtalaue Wendland aus Gartow lässt dort ein modernes Bestattungshaus errichten. Doch das Gebäude mit einer Grundfläche von rund 600 Quadratmetern wird weit mehr bieten, als ein schlichter Verkaufsladen für Särge und Urnen. Darauf hat Manuel Maury, Mitinhaber des Betriebs, aufmerksam gemacht. Die grobe Investitionssumme: 1,6 Millionen Euro, davon etwa 200000 Euro als Zuschuss von der EU.

Ab dem Jahr 2015 entwickelten Hans-Udo und Manuel Maury erste Ideen für das friedhofsnahe Grundstück, auf dem seit Jahren die ausgediente Produktionshalle des Betonsteinwerks der Firma Schütte stand, derweil aber 2007 ins Eigentum der Gesellschaft Gornig-Invest übergegangen war. Im Jahr 2018 kaufte die Firma Schmidt-Maury das rund 5700 Quadratmeter große Gelände von Gornig-Invest. „Beim Abwägen über das Sanieren der Produktionshalle oder einen Neubau haben wir uns recht schnell für ein modernes neues Gebäude entschieden“, berichtet Manuel Maury. Dann nahm das Projekt Fahrt auf: Mitte 2019 vergab die Firma den Planungsauftrag, im Juli 2020 erfolgte das Einreichen des Bauantrags. Und Mitte Dezember traf die Baugenehmigung aus dem Kreishaus in Gartow ein. Parallel dazu verlief die Ausschreibung für die ersten von insgesamt 15 Gewerken. „Unser großes Ziel ist es, Aufträge an Firmen aus der hiesigen Region zu vergeben“, betont Manuel Maury.

Das besondere am neuen, barrierefreien Bestattungshaus: Im Blickpunkt steht die sogenannte Feierhalle, die Platz für rund 100 Personen bieten wird. „Dort werden nicht nur Trauerfeiern veranstaltet. Sondern der Saal bietet auch Raum für Seminare, Fortbildungs- und Infoveranstaltungen, für Lesungen und andere Feierlichkeiten“, erläutert Maury. Mit dem Konzept habe die Firma schon in Gartow im etwas kleineren Stil positive Erfahrungen gemacht: „Die Nachfrage nach solch einer Möglichkeit zur Raumanmietung für Veranstaltungen ist vorhanden.“ Und: Das Bestattungshaus bietet erheblich mehr zeitliche Optionen, um Trauerfeiern zu gestalten. Während in der Kapelle auf dem Friedhof nur Trauerfeiern um 11 und 13 Uhr möglich seien, bestehe im künftigen Bestattungshaus die Möglichkeit, Trauerfeiern in den Abendstunden oder auch am Wochenende zu arrangieren. Dabei könne die Beisetzung der Verstorbenen dann auch im kleinen Kreis an einem anderen Tag stattfinden. „Damit tragen wir dem Wunsch vieler Angehörigen Rechnung, deren Familienmitglieder oft von weit her nach Lüchow anreisen, um sich vom Verstorbenen zu verabschieden“, schildert der Unternehmer.

Eine zweite Besonderheit: Das neue Kurzzeit-Kolumbarium. Dort können die Angehörigen eines Verstorbenen so lange, wie gewünscht, die Urne ihres Verblichenen in eine Wand mit entsprechenden Fächern stellen lassen. Mit Hilfe eines Chipzugangssystems können die Angehörigen wie auf dem Friedhof rund um die Uhr diesen Raum des Gebäudes besuchen, um der Urne des Angehörigen nahe zu sein. „Diese Möglichkeit kann auch für solche Fälle genutzt werden, wenn beispielsweise der Todesfall im Winter geschehen war und die Bestattung auf See erst im Frühjahr oder Sommer vorgenommen werden soll“, schildert Maury.

Mit diesem Chipsystem werden auch zwei stilvoll gestaltete Räume zum Abschiednehmen von Verstorbenen rund um die Uhr erreichbar sein. „Früher wurden die Verstorbenen drei Tage zuhause am offenen Sarg aufgebahrt. Dann folgte das Abschiednehmen in einer Friedhofskammer, das wegen Kälte und Zeitdrucks oft nur eine abrupte Prozedur darstellte. Künftig haben die Angehörigen selber die Entscheidungsfreiheit, ob und wie sie ihrem Verstorbenen Adieu sagen wollen“, skizziert Maury. Letztlich bietet das neue Bestattungshaus Platz für Büros, Sozialräume und den gut 100 Quadratmeter großen Bereich für Beratung und Ausstellung von Särgen und Urnen. Davor werden 22 Parkflächen für Pkw inklusive einer E-Ladesäule gebaut und intalliert.

Zeitliches Ziel des Bauprojekts ist es laut Maury, das neue Bestattungshaus zum Herbst nach Fertigstellen des gärtnerisch gestalteten Außenbereichs in Betrieb zu nehmen. Dort werden dann zwei Mitarbeitende und ein Auszubildender beschäftigt sein. Zum Ende des Jahres werde dann der bisherige Standort der Firma in der Drawehner Straße geschlossen.

Text & Bild: Axel Schmidt, Redaktion Elbe-Jeetzel-Zeitung